Predigten aus vergangenen Gottesdiensten – to go



2.Adventssonntag 2020 Juist, Predigt Sr.Michaela Wachendorfer

 

Liebe Gemeinde,

„Den würde ich am liebsten in die Wüste schicken…“ dieses Sprichwort kann man öfters hören, wenn einem jemand sehr lästig geworden ist und man ihn los werden will. In die Wüste schicken,—da ist es öde und leer, das Wetter selten angenehm, keine Abwechslung, einsam, karg und elend. Ein bisschen Wüstenerfahrung kann man  auf Juist bei dem endlosen Sandstrand auch machen, eigentlich sehr wenig Abwechslung, Sand und Meer—sonst nichts. Manch einer sucht genau diese Erfahrung der Leere und Stille und Einfachheit, um zu sich zu kommen. Wüstenerfahrung scheint auch diese lockdown Zeit zu sein…

Das Volk Israel befand sich lange, sehr lange Zeit in der Wüste, in Gefangenschaft, weit weg von der Heimat und unterdrückt von den Babyloniern. Und doch macht das Volk gerade dort die Erfahrung der Nähe Gottes, genau in diese Zeit hinein spricht Gott die Verheißung aus: „Fürchtet Euch nicht, es wird Befreiung kommen, Euer Los wird sich wenden, ich bin bei euch, es gibt einen neuen Anfang. Die Lesung von heute morgen beginnt mit den unglaublich wohltuenden Worten: „Tröstet, tröstet mein Volk. Redet Jerusalem zu Herzen.“  Und dann später: „die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.“ wie wohl klingt das in den Ohren von  Menschen, die lange auf Erlösung, auf Befreiung, auf den Weg zurück nach ihrem Zuhause, auf einen Neuanfang warten und hoffen! —„tröstet, tröstet mein Volk, der Frondienst ist zuende!“ was für großartige Worte!

Auch uns Heutigen sind Wüstenerfahrungen eben gar nicht fremd. Tag für Tag sind wir konfrontiert mit den „Wüsten“ von Coronanachrichten, aber ebenso auch von Terror und Gewalt, von Hunger und Armut,
von wirtschaftlichen und politischen Krisen. Das ist nicht nur in der Welt da draußen so, vielmehr auch in unserer Umgebung in nächster Nähe.
Mehr noch: Die „Wüste“ hat uns selbst eingeholt, sie ist in uns drin! Jede und jeder von uns hier weiß auch von Einsamkeit, von Unfreiheit, von innerer Zerrissenheit und Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit, von schweren Ängsten und Sorgen, die einen niederdrücken. —Wüstenerfahrungen in unserer Seele. Und genau in der Wüste kann man Gott erfahren, so sagen die Texte heute. Wir sind also selbst ein möglicher Ort der Gottesbegegnung! Gott will uns  ja herausführen aus allen lebensfeindlichen Wüsten in uns und um uns herum in sein „gelobtes Land“. Und auch wenn wir immer wieder zweifeln , ob das wirklich was wird mit dem gelobten Land und mit der Rettung-so etwas gehört halt im Leben immer wieder dazu und ist voll in Ordnung, auch dann können aus ziemlich krummen und schiefen Wegen Lebenswegen, gerade Straßen werden. Manchmal kann man das im eigenen Leben im Nachhinein sagen und merken.

Die Botschaft vom heutigen 2.Advent heißt: Gott will uns einfach liebevoll trösten und  wieder Mut zusprechen, er will befreien und einen neuen Anfang ermöglichen. Ja, der Frondienst, diese mühselige Plackerei hat ein Ende, niederdrückendes Versagen ist vergeben. Diesen neuen Anfang hat Gott in Jesus Christus gesetzt. Deswegen feiern wir immer wieder Advent und Weihnachten. Deswegen kann man die Botschaft Gottes in den Wüsten unserer Zeit gar nicht oft genug hören. Damit wir endlich anfangen mit dem Glauben und wirklich ernst machen, dem Herrn den Weg zu bahnen—die Straßen frei zu räumen von manchem inneren Schutt, der das eigene Herz nur belastet und verhärtet. Dann könnte Gott in unseren Herzen ankommen….dann könnte Gott uns zu Herzen reden, dann könnte der Neuanfang geschehen direkt bei mir und Dir. Dann sind wir getröstet und können selber trösten, dann sind wir befreit und können selber befreien, dann finden wir Frieden und können Friedensstifter werden, dann werden wir geheilt und können heilend für andere sein. Dann wird ein neuer Himmel und eine neue Erde. Amen.




Predigt 27. Sonntag 2020 Mt 21,33-44

Liebe Geschwister im Glauben,

das ist ja ein geradezu dramatisches martialisch klingendes Evangelium heute! Und auf das erste Hören hin nicht wirklich leicht zu verkraften, geschweige denn zu verstehen, was uns damit gesagt werden soll! Eine ziemliche Zumutung! Aber das sollte es sogar auch damals schon vor 2000 Jahren sein. Eine Zumutung und Herausforderung Jesu.

Kurz zur Einordnung in das Geschehen: Jesus ist in Jerusalem angekommen. vorausgegangen ist schon die Tempelreinigung und nun folgen Streitgespräche mit den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes. Da nimmt Jesus überhaupt kein Blatt vor den Mund. Da ist er nicht diplomatisch, sondern drastisch in der Auseinandersetzung, worum es ihm eigentlich geht. Es ist die ewig lange Geschichte Gottes mit seinem Volk.  Dieses Volk, das immer und immer nicht begreift, was Gott und seine Treue bedeuten. Man misshandelt und drangsaliert die Propheten, will einfach nicht hin hören. Im letzten wird das dann für Jesus selber tödlich enden, auch er scheitert an der Verstocktheit und am Unglauben der führenden Köpfe.

Der Gutsbesitzer in dem Gleichnis hat einen wunderbaren Weinberg angelegt mit allem was es dazu braucht. Der Anfang ist einfach nur „sehr gut“. Dann wird verpachtet und ganz normal erwartet der Gutsbesitzer seine Pacht, also ein Teil der Früchte der Ernte. Aber was passiert: die Pächter wollen nicht abgeben, sie verweigern das und wollen sogar selber den Weinberg erben und in Besitz nehmen. dazu wenden sie höchst aggressive Mittel an. Bis dahin , den Sohn des Besitzers umzubringen. Sie haben selbst vor ihm überhaupt keine Achtung! Achtung , das ist eins der wichtigen Wort in diesem Text.

Wer aber meint, es gehört alles ihm, was in Wahrheit  nur gepachtet ist, dem wird hier sehr deutlich von Jesus selber die rote Karte gezeigt.

Wer keine Achtung vor dem Sohn hat, hat natürlich auch keine Achtung vor dem Vater. Das betrifft hier bei Matthäus ausdrücklich die religiöse Elite. Kurz vorher sagt Jesus : Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes, weil sie geglaubt haben. Das ist ziemlich unerträglich für die, die meinen sie hätten das Sagen und die Klugheit in religiösen Angelegenheiten. Das war damals so und scheint heute nicht viel besser, wenn es um Achtung und den Respekt vor unterschiedlichen Lebensentwürfen geht, wenn es um Beurteilung und Einordnung von fremdem und  normalem Verhalten geht, von vorgeblich klarem Wissen, was zu sein hat und was nicht. Das wird gerade zur Zeit in unserer Kirche deutlich in  strittigen Themen. Und in der Gesellschaft auch. Es fehlt so oft einfach an Achtung.

Jesus sagt dazu eigentlich sehr klar: es hat von euch keiner die Wahrheit gepachtet, sondern ihr habt nur einen Weinberg gepachtet. Der ist euch wirklich anvertraut worden und Früchte, die nach guter Arbeit geerntet werden können, sind nicht für euch allein, sondern auch für den, der der Schöpfer des Ganzen ist. Früchte wollen geteilt werden, dann sind sie Nahrung und Leben.

Die einzige Autorität, auf die es wirklich zu hören gilt, ist Jesus selber. der ist nämlich der Eckstein, der dem Haus Stabilität gibt. Andere haben nur insofern Autorität, als sie sich durch Achtung, wirkliche Achtung auszeichnen. Das hat zutiefst etwas mit Sensibilität und Acht-samkeit zu tun, mit Feingefühl, gutem Urteilsvermögen und vielleicht auch so etwas wie vornehmer Bescheidenheit.

Es wird auf eine deutliche Entscheidung hinauslaufen für jede und jeden von uns: wem überlasse ich Autorität über mein Leben, ob in der Kirche oder in der Gesellschaft. denn  auch diese Autoritäten sind nur Pächter oder Pächterin  und können totbringend  machtbesessen sein.

-Im letzten geht es darum, Gott, dem Schöpfer zurückzugeben, was mir anvertraut wurde als Pächterin und Pächter meines Lebens, meiner Talente, meiner Kraft, der Welt um mich herum.  Dann bringt das Reich Gottes weiter reiche Frucht und kann wachsen, vielleicht an ganz anderen Orten als gedacht. Denn in den Augen Gottes liegt für jeden und jede von uns unglaublich liebevolle Achtung und Wertschätzung. Wer sich so an-gesehen , -wirklich in der Tiefe der Seele angeschaut weiß, der oder die braucht nichts und niemanden zu fürchten.


MT.14,13         18.SONNTAG IM JAHRESKREIS A         

Sr.Michaela Wachendorfer

Liebe Geschwister im Glauben!

Es wirkt ja irgendwie idyllisch dieses Wunder mit der Brotvermehrung! Da sind viele zusammen, die habe an Jesu Lippen gehangen, er hat kranke geheilt und darüber haben sie die Zeit vergessen und nun Überraschung: es  ist nix zu essen da.   Und was geschieht?   Im Rheinland würde man sagen: ad widder en Wunder! Schon wieder ein Wunder!

Aber es ist eben gar nicht idyllisch da auf der Wiese mit den mehr wie 5000 Leuten! Vorrausgegangen ist die schlimme Nachricht, dass der Vorläufer von Jesus enthauptet wurde. Das ist eine bedrohliche Geschichte für Jesus selber und natürlich für alle Menschen drumherum, die sich von Johannes hatten taufen lassen, die sich von dem Propheten hatten inspirieren lassen. Es war so schwer, dass Jesus sich eben zurückziehen wollte, um allein zusein, um Zeit zu haben für sich und mit Gott. Ähnlich scheint es den Leuten zu gehen. Sie folgen Jesus und wollen unbedingt bei ihm sein. Er sieht sie und hat Mitleid mit ihnen. Irgendwie sind sie auch vereint im Schmerz. Und er heilt dann die Kranken, die bei ihnen sind. Hier steht Jesus im Mittelpunkt. Jesus der trauert, der alleine sein muß, der Mitleid hat mit anderen, die jemanden brauchen, der heilend wirkt und der dann auch noch später am Abend dafür sorgt dass genug zu essen da sein wird.

Die jünger haben den Eindruck, man sollte jetzt mal dringend was organisieren, damit sie was zu essen kaufen können. Schick sie weg sagen sie zu Jesus. Eine sehr direkte Antwort kommt darauf: sie brauchen nicht weggehen! gebt ihr ihnen zu essen!

Das ist kurz und bündig und lässt nicht viel Interpretation zu. Sie wiegeln ab: es ist zu wenig was wir haben! Jesus diskutiert da nicht noch lange herum, warum das jetzt doch noch reichen sollte oder wie er das alles gemeint hat oder welche Lösung es geben könnte. Er nimmt das was da ist und betet. Er verbindet das was vor der Nase liegt, das menschenmögliche mit dem Himmel. Ziemlich schlicht und einfach. Und da geschieht das Wunder: Das Wunder von Gemeinschaft, das Wunder des Teilens, das Wunder des Vertrauens. Der Höhepunkt ist eigentlich nicht, dass alle jetzt satt werden, sondern das Wunder ist Jesus selber, in seiner Person wird das Teilen Gottes mit den Menschen Fleisch. Und das ist eine tolle Geschichte. Himmel berührt Erde in einem ganz schlichten Zeichen: Brot wird geteilt. Das was gerade da ist, was man noch bei sich hat, das wird zum Wunder, stiftet Nähe und Gemeinschaft. Aber man muss es auch hergeben, großzügig sein, auch großherzig und vertrauensvoll. Vielleicht heißt das dann auch, man muss mal einen Vorschuss an Vertrauen geben und das könnte anstecken. Gebt ihr ihnen zu essen, ist eine großartige Aufforderung Gottes an uns. Die traut uns einiges zu, fordert vielleicht auch heraus zum: mal anders oder quer denken; diese Aufforderung könnte unser Selbstbewusstsein als Gemeinde stärken und auch als einzelne, -weil wir mit Hilfe rechnen können in der Verbindung zum Himmel und in der Verbindung zum Nachbarmenschen. Vielleicht probieren Sie es gleich einfach einmal aus mit einem Vorschuss an Vertrauen und mit Großzügigkeit! Gebt ihr ihnen zu essen, damit das Wunder Gottes in dieser Welt, hier und jetzt Hand und Fuß bekommt!



Predigt 16. Sonntag im Jahreskreis A 19.7.2020

Sr.Michaela Wachendorfer, Juist

Willkommen zur Sonntagsmesse an einem Tag mitten im Sommer 2020. Wie gut, dass wir hier zusammen sein dürfen um Gott die Ehre zu geben, um uns gegenseitig zu stärken im Glauben und  Gott ausdrücklich an uns wirken zu lassen. In diesen Zeiten spüren wir, dass das nicht wirklich selbstverständlich ist, es ist ein Geschenk.

Begrüßen wir den in unserer Mitte, der uns immer neu Kraft und Mut zuspricht

Herr Jesus Christus, du bist unser Begleiter, besonders auch in Sorgen und Ängsten , Herr erbarme Dich

Herr Jesus Christus, du fragst nach unserer Geduld in schwierigen Situationen, Christus erbarme Dich

Herr Jesus Christus, du siehst das, was verborgen ist an Gutem und noch wachsen muss, Herr erbarme Dich

Predigtimpuls Sr .Michaela

  1. Lesung: Röm 8,26-27        Evangelium: Mt 13,24-43

Liebe Geschwister im Glauben!

Nun, dieses Evangelium kennt eben jedes Kind: das Himmelreich ist wie ein Senfkorn so klein und wird dann ziemlich schnell ein riesiger Baum, darin können Vögel sogar ihre Nester bauen.

Das mit dem Unkraut und dem Weizen auch altbekannt und mit dem Sauerteig unter dem Mehl auch.

Aus  klein wird  groß, verborgenes wird sichtbar. -aber irgendwie braucht es immer Zeit ….der Mechanismus der ganzen Schöpfung, unserer Welt ist immer mit Zeit dazwischen verbunden. Zeit zum Wachsen und reifen, Entwicklung, Entfaltung  gehört zu allem lebendigen dazu . Und so scheint das auch mit dem Himmelreich, vom dem Jesus spricht. Auch das unterliegt einer Entwicklung, der lebendigen Bewegung, Dynamik, Entfaltung. es ist eben nichts statisches . auch das Himmelreich oder eigentlich Gott selber ist nicht einfach von einem ganz anderen Stern, so sagt Jesus. Es gibt für alles Entwicklungszeit, eine Art Zwischenzeit zwischen dem kleinen, winzigen Anfang und dem ausgereiften Ende…

Haben Sie sich schon an die Pandemie-lage gewöhnt, so wie sie sich gerade zeigt? Inzwischen scheint die Situation ja etwas mehr chronisch zu werden und zieht sich in die Länge, obwohl das so schon angekündigt war. Irgendwie hatte man trotzdem zwischendurch das Gefühl, nun wird es alles bald vorbei sein, wir müssen nur noch ein bisschen  durchhalten, aber dann ist es wieder wie früher. Inzwischen ertappt man sich dabei, selber zu sagen: ach was war es doch vordem so schön…. und so unbeschwert. Man verklärt alte Zeiten, fast schon nostalgisch, unkritisch.  das ist  ein psychischer Mechanismus, der einen selber aufmuntern kann, weil man sich an etwas Schönes von früher erinnert.

Jesus hat da  einen anderen Hinweis zur Bewältigung mit seinen Gleichnissen vom Himmelreich:

als erstes sagt er :

Im ganz Profanen ist das heilige zuhause—-im Senfkorn, im Sauerteig, im Weizenkorn

Eigentlich nichts besonderes, ganz alltäglich und die physiologischen Vorgänge kann man– wenn man Ohren hat zum hören– als Botschaft vom Himmel verstehen. Unter dem ganz normalen, was vor meiner Nase passiert, kann sich das Himmelreich zeigen und zwar mit der explosiven Kraft eines Samenkorns. Nun können Sie sagen, wer ´s glaubt!!Wie unrealistisch ist das denn? Aber christlicher Glaube ist eben nicht abgehoben fern von allem, sondern ziemlich konkret und hat Hand und Fuß, sonst bleibt er blutleer im wahrsten Sinn des Wortes.  dann hat er eben auch nichts zu sagen, auch wenn es noch so heilig klingt! Jemand hat einmal gesagt: das eigentliche Gleichnis Gottes ist Jesus selber! Das finde ich genial. Das eigentliche Gleichnis Gottes ist Jesus selber, der nicht müde wurde, immer wieder von Gott zu reden, als dem der uns begleitet, stärkt und tröstet in schwierigen Situationen, der immer wieder sagt: fürchtet euch nicht, der heilend wirkt, der das zum Vorschein und ans Licht bringt was von Uranfang an in der Schöpfung gemeint war. Ganz am Anfang hat es geheißen: Und siehe es war sehr gut! Das heilige im Verborgenen sehen und hören können, das kann Jesus und das können wir als seine Nachfolgerinnen auch, –oder wir sollten uns etwas mehr darin üben! Soetwas nennt man kontemplative Haltung. Aufmerksam, wach wahrnehmen was gerade ist; wirken lassen ohne vorschnell zu urteilen. Absichtslos! Wenn man sich 2 Atemzüge lang dafür mehr Zeit ließe, würde manche Entscheidung anders fallen.

Als zweites wird gesagt: Wachsen braucht einfach Zeit, und auch Geduld und auch Vertrauen in die Wachskraft, egal ob auch Unkraut mit wächst.  am Anfang kann man einfach nicht sehen und einschätzen, wie das werden wird mit dem Samenkorn. Eltern können davon viele Geschichten erzählen. wie Kinder wachsen und sich entwickeln und wie nervend oder auch ermüdend manche Phase dabei sein kann. Aber auch wie wichtig manchmal einfach die Geduld und das Vertrauen in die Wachskräfte eines jeden kleinen Menschen sind! Es ist  unglaublich, was da alles passiert und wie, manchmal kommt es einem wie ein Wunder vor—. Geduld und Vertrauen,-So gilt das auch für das Wachsen und Reifen im Glauben, in der Kirche, in der Gesellschaft. Natürlich soll das jetzt kein Aufruf zur Untätigkeit sein  oder gar Resignation.  Es gibt aber so etwas wie unerleuchteten Eifer, der öfters zu Unfrieden und unnötiger Spaltung führt, weil man meint, man selber wüsste schon am besten, wo das Unkraut ist, das es auszumerzen gilt. So fangen manchmal heilige Kriege an.

Jesus will uns hier auch entlasten: Vertraut doch auf diese innere Wachskraft, Gott ist da treibende Kraft und Gott hat einen anderen Zeitpunkt der Entscheidung. es kommt nicht nur auf eure eigene Urteilskraft an. Rechnet doch etwas mehr mit einem dynamischen kraftvollen Geschehen, wenn sich Gott ausbreiten will.

Wir hätten es gerne schneller, leichter, einfacher, weniger kompliziert, klar und deutlich, am liebsten schwarz weiß, gut und böse— aber die Lebenserfahrung zeigt, dass es das nicht wirklich in unserer komplexen Welt gibt, dass wir mit Ungewissheiten und Verwundbarkeiten leben werden und dass man da keine Abkürzungen nehmen kann.

Die Botschaft der heutigen Gleichnisse könnte heißen: aus dem kleinen unscheinbaren profanen, verborgenen Anfang wird etwas Gutes wachsen,- nämlich das Himmelreich, das Reich Gottes. -etwas was heilig und kraftvoll ist, was wirklich Nahrung gibt für die Seele, -so wie das lange gereifte SauerteigBrot. Etwas was ein wirkliches Zuhause bereitet für uns -wie die Nester für die Vögel im Senf-Baum.

Es ist die Frage –wie immer, -ob wir das glauben können und unser Leben danach ausrichten. So berührt und durchlichtet der Himmel unsere Erde.

Vielleicht –wenn Sie genau hinsehen und hinhören, spüren Sie etwas von der explosiven Kraft göttlicher Samenkörner heute direkt vor Ihrer Nase. Amen.


Predigt Pfingstmontag

Janusplatz, Juist 2020
Joh 20,19-23

Sr. Michaela Wachendorfer

Liebe Geschwister im Glauben!

Gerade haben wir gehört, die Jünger waren nach dem Tod Jesu eingeschlossen…abgesperrt…auf gewisse Weise in einem ähnlichen Zustand, wie wir alle im Lock down bis vor kurzem auch. Wir kennen so eine Lage jetzt selber,- unerwartet und vor einigen Monaten nicht für möglich gehalten.
Die Jünger Jesu sind dort in Jerusalem eingeschlossen aus Furcht. Sie hatten Angst, es könnte ihnen so ergehen, wie Jesus selber,- also fast Todesangst, aber immerhin: sie waren zusammen.
Auch wir waren abgeschottet -alle zusammen und doch wieder nicht ganz nah zusammen. -aus Furcht vor einer Bedrohung, einer gesundheitlichen Bedrohung, die Corona heißt. In diesem Fall ist das sinnvoll, so wie es auch damals bei den Jüngern war. Es handelt sich um eine realistische Angst, die einklemmt und besetzt hält, wo man vieles nicht einschätzen kann, wo vieles unsicher ist. Vermutlich haben auch die Jünger dauernd hin und her überlegt, was jetzt zu tun ist, wie man das alles verstehen soll und welche Bedeutung das für ihren Weg in die Zukunft haben kann. In diesen Zustand kommt Jesus einfach durch die verschlossenen Türen hindurch und sagt sehr schlicht und einfach ganz beruhigend: der Friede sei mit Euch! Und er zeigt ihnen die Hände und Füße, seine Wunden; -also das, was er durchgemacht hat, und was er überstanden hat. Er selber ist ein Beweis, dass man da hindurch kommt. (Sogar durch den Tod hindurch) Vielleicht ist das für uns auch eine stärkende Botschaft Gottes durch alle Ängste und Sorgen hindurch, die heißt:
Friede sei mit Euch! -Ihr könnt euch beruhigen, es gibt eine stärkere Kraft, die euch hält und durchträgt, egal was euch passiert.
Allerdings: man muss ihm das auch glauben. Und das ist in ängstlichen verunsichernden Zeiten nicht wirklich einfach. Da schleichen sich dann doch die Zweifel immer wieder ein. Deshalb braucht es etwas mehr als unseren kleinen Verstand, unser enges Herz und unseren begrenzten Sinn. Und das ist das, was Pfingsten ausmacht: es braucht eben heiligen Geist! Dazu haucht Jesus die Jünger an und gibt ihnen damit von seinem guten lebendigen Geist ab. Es ist damit eigentlich so eine Art „Beatmung“ gemeint, Wiederbelebung könnte man auch sagen.
Leider können wir das Wort „Hauch“ gerade im Moment nicht mehr wirklich unbefangen hören. Denn ich denke dabei nur an die Aerosole, die beim Hauchen ausgestoßen werden und an Ansteckungsgefahr. Wie schade um diesen eigentlich so schönen Vorgang: Ein kleiner Hauch, der um die Nase fächelt, ein liebevoll ins Ohr geflüstertes Wort, ein Kuß der in den Nacken gehaucht wird. das ist doch etwas, was das Herz und die Seele erwärmen und erfüllen kann. Richtig wunderbar!
Jesus haucht die Freunde und Freundinnen an. Es beginnt ganz neues Leben, liebevoll sanft, aber auch eindeutig und klar. Das Wort Hauch kommt schon ganz am Anfang der Bibel vor. Am Beginn der Schöpfungsgeschichte der Welt: Gott hauchte dem Lehmklumpen, dem Menschen Leben ein. Das ist auch damals schon Geist Gottes, der lebendig macht. tote Materie wird belebt, beseelt könnte man auch sagen. So wird der Mensch erschaffen, gehauchter Geist Gottes…so geschieht es durch den auferstandenen Jesus noch einmal in seine Jünger und Jüngerinnen hinein. Diese Dimension ist unglaublich über uns selber hinausgehend…
(Sowas nennt man ein Glaubensgeheimnis)
Jeder Atemzug ist eigentlich nicht selbstverständlich. Das merken wir in diesen Zeiten besonders, wo viel von Beatmungsmaschinen und Sauerstoffsättigung geredet wird. Atmen ist Leben, bringt Sauerstoff dahin, wo er dringend nötig ist. Im Grunde sagt Jesus zu den Jüngern: Hallo Leute, ich möchte, dass Ihr eins wisst und euch immer daran erinnert: mein Geist, der Geist Gottes macht euch lebendig! und der lässt alles Tote, destruktive, änstigende überwinden oder zumindest durchstehen!
Bei reduziertem Sauerstoff ist man saft- und kraftlos, müde, ohne Antrieb, ängstlich, schneller verunsichert, trübsinnig….
Der Geist Jesu bringt Sauerstoff, bringt Aufmerksamkeit, Wachheit, klärt das Denken und erfrischt. Geisterfüllte Menschen zu treffen ist ein ziemliches Glück im Leben. In ihrer Gegenwart fühlt man sich wohl, angenommen, kommt auf neue Ideen oder wird getröstet, aufgebaut und im guten Sinn erkannt und verstanden.
Es wird immer wieder von den Früchten oder Gaben des heiligen Geistes gesprochen. Den Geist selber, den Hauch kann man nicht sehen, aber was dadurch bewirkt wird, das kann man schnell erkennen. Und daran kann man auch ziemlich gut ablesen, ob etwas vom guten Geist kommt oder eben nicht. Der gute führt einfach zu mehr Leben, mehr Frieden, mehr Liebe, mehr Güte, mehr Großzügigkeit im Geben, mehr Dankbarkeit. Es bringt die verängstigten Freunde und Freundinnen Jesu jedenfalls raus aus ihrem Gefängnis, ihrem Eingesperrt Sein; –zB. auch das eingesperrt sein in Vorstellungen über Jesus, Gott und die Welt; oder auch ihre Erwartungen, wie das Leben so zu gehen hat oder wie alles so wunderbar wäre, wenn…
Da werden auch wir herausgerufen. Es wird nichts mehr so bleiben, wie es ist und wie es war, –auch bei „Kirchens“ nicht. Es gibt immer weniger, was verlässlich lange hält, gerade jetzt in der globalen Krise spüren wir das sehr. Vielleicht ist es genau richtig jetzt Pfingsten zu feiern bzw. sich zu öffnen für den heiligen Geist! –weil unser (Klein)Geist mal richtig durchgeweht werden muss, frische Luft ran muss, um neues zu denken und auszuprobieren; um aufzuräumen nicht nur äußerlich -wie das ja wohl viele in den letzten Wochen gemacht haben, sondern auch mal innerlich Platz frei zu räumen, für das, was mir im wahrsten Sinn des Wortes heilig ist.
Das ist dann wirklich schützenswert, dafür lohnt es sich, sein Leben einzusetzen- nicht nur für mich, sondern auch für die anderen. Das hat Jesus bis zum letzten Atemzug getan und diesen letzten Atemzug hat er uns eingehaucht, damit wir das weiterleben.
Holen wir also tief Luft, heilige Luft, die uns hier in dieser Gemeinschaft gerade umgibt. Holen wir Luft –immer wieder neu und erinnern uns genau an dieses belebende Wunder von Pfingsten! Holen wir tief Luft und lassen wir uns wieder-beleben! Amen. Halleluja!

Gebet:

Komm heiliger Geist, mach uns heilig und gut.
Erfülle die Herzen mit brennender Sehnsucht
nach der Wahrheit, dem Weg und dem geglückten Leben.
Entzünde in uns ein Feuer,
dass wir selber davon zum Licht werden,
das leuchtet und wärmt und tröstet.
Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden,
die von deiner Liebe und deiner Treue sprechen.
Schaffe uns neu,
dass wir Menschen der Liebe werden,
deine Heiligen –wirklich sichtbare Worte Gottes.
Dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern
und alles wird neu geschaffen.
Komm heiliger Geist,
heilige uns, stärke uns, bleibe bei uns. Amen.